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Frage No 10

10 Verändert die Entwicklung von Wissenschaft und Kunst den Stellenwert des Müssiggangs?

Bei Rousseau ist der Müssiggang der Ursprung aller Laster – und aller Betätigungen und Entwicklungen, die der kritisch sieht: Wissenschaft, Kunst, Luxus. Dahinter darf man eine calvinistische Pflicht-Ethik vermuten. Neben der Zeitvergeudung ist ihm die parasitäre Lebensweise der Müssigen ein Dorn im Auge. Und erst recht verdächtig wird sie ihm, wenn sie Blüten treibt in Form von wissenschaftlichen Irrmeinungen und Luxus. Der Luxus ist an den Reichtum gekoppelt – und der Reichtum eine Folge der Bereicherung um jeden Preis. Hier wird wieder der für Gerechtigkeit kämpfende Rousseau sichtbar; der Sittenverfall führt eben auch zu einer ungerechten Gesellschaft.

„Aus dem Müßiggang geboren, geben sie ihm ihrerseits Nahrung. Und der erste Schaden, den sie der Gesellschaft zwangsläufig zufügen, ist der unwiederbringliche Verlust an Zeit. Gilt es doch in der Staats- wie in der Sittenlehre als ein großes Übel, wenn man nichts Gutes vollbringt; und jeder unnütze Bürger kann als ein gefährlicher Mensch angesehen werden.“

„Welch großes Übel ist schon die Zeitvergeudung. Doch andere, weitaus schlimmere Übel folgen Gelehrsamkeit und Kunst. So der Luxus, ebenso wie diese aus Müßiggang und Eitelkeit der Menschen geboren. Der Luxus kommt selten ohne die Wissenschaften und Künste daher, letztere aber niemals ohne ihn. Ich weiß wohl, dass unsere an seltsamen Maximen stets fruchtbare Philosophie, der Erfahrung aller Jahrhunderte zum Trotz, behauptet, der Luxus mache den Glanz der Staaten aus. Wird sie aber, wenn sie schon die Notwendigkeit von Gesetzen gegen die Verschwendung außer acht ließ, es auch noch wagen, zu leugnen, dass Sittlichkeit für den Fortbestand eines Reiches unerlässlich ist und Luxus und Sittlichkeit einander ausschließen? Mag der Luxus auch ein sicheres Merkmal von Reichtümern sein, mag er meinetwegen auch dazu dienen, diese zu mehren, was wird man aber aus diesem Paradoxon schließen müssen, dessen Aufkommen unserer heutigen Zeit so würdig ist? Und was wird aus der Tugend, wenn man sich um jeden Preis bereichern muss? Die Staatsmänner der Antike sprachen unablässig von Sittlichkeit und Tugend. Unsere sprechen nur von Handel und vom Geld.“

© 2012 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

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