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Frage No 02

02 Wie steht es heute um den Stellenwert von Volkskultur und Handwerk?

Handwerk und Volkskultur werden gering geschätzt, weil die fortschreitende Verfeinerung der Künste und der Wissenschaften ihren Wert herabsetzt. Rousseau spricht zwar nicht explizit über Volkskultur, aber der „Ackerbau“ wird mehrfach angeführt und die einfachen Strohhütten werden als Ideal erwähnt – als Gegenteil von Marmor und Pracht. Rousseau führt auch den Vergleich zwischen Athen [l1]und Sparta[l2] an, der bei ihm zugunsten Spartas ausfällt. Der Fortschritt fördert die Philosophie, und dieser Ackerbau gerät ins Hintertreffen wegen der angeblich einseitigen Förderung der Wissenschaften:

„Athen wurde die Heimstatt der Höflichkeit und des guten Geschmacks, das Land der Redner und Philosophen. Die Eleganz seiner Bauwerke entsprach der seiner Sprache. Überall waren Marmor und Leinwand, durch die Hände der geschicktesten Meister zum Leben erweckt, zu erblicken. Aus Athen sind jene erstaunlichen Werke hervorgegangen, die allen verderbten Zeitaltern als Modell dienten. Unser Bild von Lakedämonien hingegen ist weniger glanzvoll. Dort sind die Menschen, wie andere Völker sagen, tugendhaft von Geburt, und es ist, als atme man dort mit der Luft die Tugend ein. Von seinen Bewohnern ist uns nichts als das Andenken an ihre Heldentaten geblieben. Sollten wir solche Denkmäler etwa geringer schätzen als die eigentümlichen Marmorbilder, die uns Athen hinterlassen hat“

„Je mehr Institutionen zum Vorteil der Gelehrten geschaffen werden, desto eher sind diese in der Lage, in wissenschaftlichen Materien Eindruck zu machen und die Geister für die Pflege der Wissenschaft zu gewinnen. Angesichts der Maßnahmen, die man hier ergreift, könnte man annehmen, wir hätten zu viele Ackerbauern und man fürchte, es würde uns an Philosophen fehlen. Ich will mich hier nicht auf einen Vergleich von Ackerbau und Philosophie einlassen. Man würde ihn kaum ertragen können.“

„Wer lebenslang ein schlechter Versemacher, ein mittelmäßiger Landvermesser gewesen, wäre vielleicht ein großer Textilfabrikant geworden.“

© 2012 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

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