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Frage No 04

04 Fördern Wissenschaft und Kunst Kindererziehung und Bildung?

Rousseau legt mit seiner Skepsis gegenüber einer einseitig wissenschaftlichen Orientierung die Fundamente zu seinen späteren Ausführungen im „Emile“. Sie richtet sich auch gegen „Verweichlichung“. Eine einseitig intellektuelle Ausbildung, bei der der Blick für ganzheitliche Zusammenhänge, für die ethischen Dimensionen wie auch den Bezug zur Natur und zum eigenen Körper verloren gehen, schadet. Im Emile etwa vertritt Rousseau die Ansicht, dass Kinder nicht zu früh lesen sollten. Man muss allerdings beachten, dass sich Rousseaus Kritik gegen die damalige, an Pflege der Antike, sprich der Lektüre lateinischer und griechischer Klassiker, orientierte Ausbildung richtete. Man muss auch im Blick behalten, dass überhaupt nur privilegierte Kreise überhaupt in den Genuss einer solchen Ausbildung kamen.

„Das Studium der Wissenschaften schadet schon den kriegerischen Eigenschaften, mehr aber noch den sittlichen. Schon von frühester Kindheit an schmückt eine unsinnige Erziehung unseren Geist und verdirbt unsere Urteilskraft. Überall sehe ich riesige Anstalten, in denen man mit großem Aufwand die Jugend erzieht, um ihr alles Mögliche beizubringen, nur nicht ihre Pflichten. Eure Kinder werden ihre eigene Sprache nicht beherrschen, dafür aber andere, die nirgendwo in Gebrauch sind. Sie werden imstande sein, Verse zu verfassen, die sie selbst kaum begreifen. Sie werden sich auf die Kunst verstehen, mithilfe spitzfindiger Argumente Irrtum und Wahrheit unkenntlich zu machen, ohne diese selbst unterscheiden zu können: Sie werden nicht wissen, was Begriffe wie »Großherzigkeit«, »Gerechtigkeit«, »Mäßigung«, »Menschlichkeit« und »Mut« bedeuten. Der liebliche Name »Vaterland« wird nie an ihre Ohren dringen. Und wenn sie von Gott hören, dann weniger, um ihn zu fürchten, als um Angst vor ihm zu haben. Mir wäre lieber, sagte ein Weiser, mein Schüler hätte seine Zeit beim Paume-Spiel verbracht, wenigstens wäre sein Körper frischer.“

„Ich weiß sehr wohl, dass Kinder beschäftigt werden 2sollen und Müßiggang für sie die größte aller Gefahren darstellt. Was sollen sie also lernen? Dies ist gewiss eine treffliche Frage. Sie sollten lernen, was einem Mann zu tun obliegt, und nicht, was sie wieder vergessen sollen.“

© 2012 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

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