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Frage No 06

06 Beeinflusst die Entwicklung von Wissenschaft und Kunst die Unabhängigkeit des Kunstschaffens?

Wo der Fortschritt der Wissenschaft korrumpierend wirkt, gilt etwas Ähnliches bei Rousseau auch für die Kunst. Und er zitiert Sokrates, der die Selbstbezüglichkeit und Dünkelhaftigkeit der Künste kritisiert. Sie sind also in dem Sinne abhängig, dass sie um sich selber rotieren.

Ausserdem werden die Künste von den Herrschenden missbraucht, um die Ketten zu verbergen, die sie über die Menschen legen; sie verbrämen die Versklavung des Menschen.

»Nach den Dichtern«, fährt Sokrates fort, »habe ich mich den Künstlern zugewandt. Von den Künsten verstand niemand weniger als ich und niemand war fester davon überzeugt, Künstler müssten wunderbare Geheimnisse besitzen. Gleichwohl musste ich feststellen, dass es um sie nicht besser bestellt ist als um die Dichter, und dass die einen wie die anderen im selben Vorurteil befangen sind. Da die tüchtigsten unter ihnen in ihrem Fach zu glänzen wissen, betrachten sie sich als die weisesten aller Menschen. Dieser Dünkel hat den Glanz ihres Wissens in meinen Augen getrübt. So dass, als ich mich an die Stelle des Orakels setzte und mich selbst befragte, ob es mir lieber wäre, das zu sein, was ich bin, oder das, was sie sind; über das Wissen zu verfügen, das sie erlernt haben, oder zu wissen, dass ich nichts weiß, mir selbst und Gott geantwortet habe: Ich will bleiben, was ich bin. Niemand von uns weiß, weder die Sophisten, die Dichter, die Redner, die Künstler noch ich, was das Wahre, Gute und Schöne ist, jedoch mit dem Unterschied, dass sie alle, obgleich sie nichts wissen, etwas zu wissen glauben, ich hingegen, wenn ich schon nichts weiß, zumindest nicht im Zweifel bin.“

„Während Regierung und Gesetze für Sicherheit und Wohlergehen der versammelten Menschen sorgen, breiten Wissenschaften, Literatur und Künste, weniger despotisch, vielleicht aber mächtiger, ihre Blumenkränze über die ehernen Ketten, an die diese gelegt sind, ersticken in ihnen jedwedes Gespür für die ursprüngliche Freiheit, für die sie geboren zu sein schienen, lassen sie ihre Sklaverei lieben und zu dem werden, was man zivilisierte Völker nennt. Die Notwendigkeit hat die Throne geschaffen, die Wissenschaften und Künste haben sie an- schließend gefestigt.“

© 2012 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

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