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Frage No 07

07 Verändert die Entwicklung von Wissenschaft und Kunst gesellschaftliche Normen und Zwänge?

Mit dem Fortschritt von Wissenschaft und Kunst geht ein „einfacher Raster“ verloren, es findet eine Verfälschung der Werte in die Gesellschaft statt und es kommt um zu Verbiegungen, die Rousseau ironisch kritisiert. Die Wissbegierde bringt etliche Übel hervor, soviel steht fest.

„Etliche Ausschweifungen werden geächtet, manche Laster geschmäht, andere aber mit dem Namen von Tugenden dekoriert. Diese wird man entweder haben müssen oder sie eben vortäuschen. Soll doch, wer da will, die Mäßigung unserer zeitgenössischen Weisen rühmen, ich sehe darin nur eine raffinierte Maßlosigkeit, die meines Lobes ebenso unwürdig ist wie deren trügerische Einfalt. So ist es um die Lauterkeit bestellt, die unsere Sitten erlangt haben. Auf diese Weise wurden wir zu ehrenhaften Menschen. Mögen sich doch Philosophie, Wissenschaften und Künste zu ihrem Anteil an diesem ach so segensreichen Werk bekennen!“

„Wo keine Wirkung ist, braucht man keine Ursache zu 5suchen: Hier jedoch ist die Wirkung gewiss, der Sittenverfall erwiesen und unsere Seelen im selben Maße dem Verderben ausgeliefert, wie unsere Wissenschaften und Künste ihrer Vollendung entgegenstrebten. Lässt sich etwa behaupten, dass dieses Unglück für unser Zeitalter typisch ist? Nein, meine Herren; die Übel, die unsere fruchtlose Wissbegierde hervorbringt, sind ebenso alt wie die Welt. Das tägliche Steigen und Fallen des Meeresspiegels ist vom Lauf des Gestirns, das uns die Nacht erhellt, nicht weniger abhängig als die Geschicke der Sitten und der Redlichkeit vom Fortschritt der Wissenschaften und Künste. Je höher deren aufklärendes Licht an unserem Horizont aufgestiegen ist, umso mehr ist die Tugend dahingeschwunden, und diese Erscheinung war zu allen Zeiten und allerorten zu beobachten.“

© 2012 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

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